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Blattläuse natürlich bekämpfen: an Zimmer-, Balkon- und Kräuterpflanzen

Blattläuse erkennen und ohne Gift bekämpfen: Abstreifen, Wasserstrahl, Schmierseifenlösung, Nützlinge wie Marienkäfer und Florfliegen, Mischkultur und Vorbeugung an Kräutern und Balkon.

Blattläuse sind die wohl bekanntesten Pflanzenschädlinge. Im Frühjahr sitzen sie in dichten Kolonien an den zarten Triebspitzen von Rosen, Kräutern, Balkonblumen und Gemüse, und auch Zimmerpflanzen bleiben nicht verschont. Die gute Nachricht: Blattläuse sind vergleichsweise leicht zu bekämpfen, und das ganz ohne chemische Mittel. Gerade bei Kräutern und Gemüse, die gegessen werden, ist das besonders wichtig.

Dieser Ratgeber erklärt, wie du Blattläuse erkennst, warum sie so plötzlich in großer Zahl auftreten, welche natürlichen Methoden wirken und wie Nützlinge und kluge Pflanzenwahl einen Befall verhindern.

Blattläuse erkennen

MerkmalBeschreibung
Größe1 bis 4 Millimeter
FarbeGrün, schwarz, grau, gelblich, rötlich oder weißlich bepudert, je nach Art
FormBirnenförmiger Körper, zwei kleine Röhrchen am Hinterleib
AufenthaltsortTriebspitzen, Knospen, junge Blätter, Blattunterseiten
BegleiterscheinungenKlebriger Honigtau, schwarzer Rußtau, Ameisen, weiße Häutungsreste

Schäden

  • Eingerollte, gekräuselte oder verkrüppelte junge Blätter und Triebe
  • Verformte Knospen, die sich nicht richtig öffnen
  • Klebrige Blätter durch Honigtau, auf dem sich schwarzer Rußtaupilz ansiedelt
  • Geschwächte Pflanzen, die weniger wachsen und blühen
  • Übertragung von Viruskrankheiten, vor allem bei Gemüse

Warum es so viele werden

Blattläuse vermehren sich im Frühjahr und Sommer ungeschlechtlich: Weibchen bringen ohne Befruchtung lebende Junge zur Welt, die selbst schon nach etwa einer Woche Nachwuchs bekommen. Aus einer Laus können so in wenigen Wochen tausende werden. Wird es zu eng, entstehen geflügelte Tiere, die zu neuen Pflanzen fliegen.

Besonders anfällig sind Pflanzen mit weichem, schnell wachsendem Gewebe, wie es nach zu viel Stickstoffdünger entsteht.

Natürliche Bekämpfungsmethoden

1. Abstreifen und Abschneiden

Bei leichtem Befall die Läuse mit den Fingern (mit Handschuhen) abstreifen oder mit einem feuchten Tuch abwischen. Stark befallene Triebspitzen abschneiden und entsorgen. Bei Kräutern wie Basilikum oder Petersilie ist das oft schon genug.

2. Kräftiger Wasserstrahl

Robuste Pflanzen auf Balkon und Terrasse mit einem harten Wasserstrahl abspritzen. Die Läuse werden heruntergespült und finden oft nicht zurück. Zimmerpflanzen in der Dusche abbrausen. Mehrmals im Abstand von zwei bis drei Tagen wiederholen. Bei empfindlichen Blüten vorsichtig sein.

3. Schmierseifenlösung

Die klassische natürliche Methode: 15 bis 20 ml reine Schmierseife oder Kaliseife ohne Duftstoffe in einem Liter warmem Wasser auflösen. Abkühlen lassen und die befallenen Pflanzenteile gründlich besprühen, besonders die Blattunterseiten. Die Seife zerstört die Schutzschicht und verklebt die Atemöffnungen der Läuse.

  • Alle drei bis vier Tage wiederholen, bis keine Läuse mehr sichtbar sind.
  • Vorher an einem Blatt testen.
  • Nicht in praller Sonne sprühen, am besten abends.
  • Bei Kräutern vor der Ernte gründlich abwaschen.

Handelsübliche Mittel auf Basis von Kaliseife sind ebenfalls erhältlich und als Pflanzenschutzmittel zugelassen.

4. Brennnesselauszug

Ein Kaltwasserauszug aus Brennnesseln wird traditionell gegen Blattläuse eingesetzt. Dafür 100 g frische Brennnesseln in einem Liter Wasser für 12 bis 24 Stunden ziehen lassen, abseihen und unverdünnt auf die Läuse sprühen. Die Wirkung ist eher schwach und eignet sich vor allem bei leichtem Befall. Nicht zu verwechseln mit vergorener Brennnesseljauche, die als Dünger dient und stark riecht.

5. Öl-Präparate

Präparate auf Rapsölbasis aus dem Handel ersticken Läuse. Sie sind für viele Zier- und Nutzpflanzen zugelassen. Packungsangaben und Wartezeiten bis zur Ernte beachten.

Nützlinge: die natürlichen Feinde

Auf Balkon und Terrasse sind Nützlinge die besten Verbündeten. Ein einziger Marienkäfer frisst im Laufe seines Lebens mehrere tausend Blattläuse.

NützlingWirkung
Marienkäfer und ihre LarvenFressen große Mengen Blattläuse
Florfliegenlarven („Blattlauslöwen“)Sehr gefräßig, im Handel erhältlich
SchwebfliegenlarvenFressen Läuse, die erwachsenen Fliegen bestäuben Blüten
SchlupfwespenLegen Eier in Blattläuse, erkennbar an braunen, aufgeblähten „Mumien“
OhrwürmerFressen nachts Blattläuse
Vögel wie Meisen und SpatzenFüttern ihre Jungen mit Insekten

Nützlinge fördern

  • Keine chemischen Insektizide: Sie töten auch Nützlinge.
  • Blühpflanzen: Schwebfliegen und Schlupfwespen brauchen Nektar und Pollen. Siehe Bienenfreundlicher Balkon.
  • Unterschlupf: Ein kleines Insektenhotel oder ein mit Holzwolle gefüllter umgedrehter Tontopf für Ohrwürmer.
  • Geduld: Nützlinge kommen oft einige Tage nach den Läusen. Wer sofort sprüht, vertreibt sie.

Nützlinge kaufen

Florfliegenlarven, Marienkäferlarven und Schlupfwespen können für Wintergärten, Gewächshäuser und Balkone bestellt werden. In Wohnräumen sind sie vor allem bei vielen Pflanzen sinnvoll.

Ameisen und Blattläuse

Ameisen „melken“ Blattläuse, fressen ihren Honigtau und verteidigen sie gegen Marienkäfer und andere Feinde. Viele Ameisen an einer Pflanze sind deshalb ein Hinweis auf Läuse. Ein Leimring um Kübel oder Stamm oder ein Wassergraben unter dem Topf (Untersetzer in einer größeren Schale mit Wasser) hält Ameisen ab.

Vorbeugung

  • Mäßig düngen: Zu viel Stickstoff fördert weiches, anfälliges Gewebe. Siehe Zimmerpflanzen düngen.
  • Richtiger Standort: Gestresste Pflanzen an falschen Standorten sind anfälliger.
  • Mischkultur: Kräuter wie Lavendel, Thymian, Salbei und Kapuzinerkresse können Läuse von Nachbarpflanzen ablenken. Kapuzinerkresse zieht Läuse geradezu an und dient als Fangpflanze.
  • Regelmäßige Kontrolle: Im Frühjahr Triebspitzen und Knospen zweimal pro Woche ansehen.
  • Luftiger Stand: Nicht zu eng pflanzen.

Blattläuse an Kräutern und Gemüse

An Basilikum, Petersilie, Salat oder Paprika auf dem Balkon ist Vorsicht mit Mitteln geboten, die du später isst. Bevorzugt werden:

  1. Abstreifen und befallene Triebe abschneiden.
  2. Abspülen mit Wasser.
  3. Schmierseifenlösung, gefolgt von gründlichem Waschen vor dem Verzehr.
  4. Nützlinge fördern.

Mehr zum Anbau in Basilikum pflegen und Salat auf dem Balkon.

Praxisbeispiel: Der Rosenkübel

Auf einer Dachterrasse waren im Mai alle Knospen einer Kübelrose mit grünen Blattläusen überzogen, dazwischen liefen Ameisen. Die Besitzerin spritzte die Läuse zweimal im Abstand von drei Tagen mit einem harten Wasserstrahl ab, legte einen Leimring um den Kübel und pflanzte Ringelblumen und Kapuzinerkresse daneben. Eine Woche später entdeckte sie die ersten Marienkäferlarven und Schwebfliegen. Nach drei Wochen waren die Läuse weitgehend verschwunden, die Rose blühte, ohne dass ein einziges Spritzmittel nötig war.

Schritt-für-Schritt-Plan bei Befall

TagMaßnahme
1Befall begutachten: Wie stark? Sind schon Nützlinge da (Marienkäferlarven, Schlupfwespen-Mumien)?
1Bei leichtem Befall: abstreifen oder abspülen; stark befallene Triebspitzen abschneiden
3Kontrolle; bei weiterem Befall erneut abspülen oder Schmierseifenlösung sprühen
6Zweite Behandlung mit Schmierseifenlösung, wenn nötig
10Kontrolle; Nützlinge beobachten und nicht stören
14Abschließende Kontrolle; Dünger und Standort überprüfen

Wichtig ist, nicht sofort zu sprühen, wenn bereits viele Nützlinge an der Pflanze sind. Marienkäferlarven, die wie kleine, schwarz-orangefarbene Krokodile aussehen, werden oft für Schädlinge gehalten. Sie sind jedoch die wirksamsten Blattlausjäger überhaupt. Auch Schwebfliegenlarven, kleine, madenartige, durchscheinende Tiere zwischen den Läusen, sollten geschont werden.

Häufige Fragen

Helfen Kaffeesatz oder Knoblauch gegen Blattläuse?

Ihre Wirkung ist nicht verlässlich belegt. Abspülen, Schmierseife und Nützlinge sind deutlich wirksamer.

Sind Blattläuse an Zimmerpflanzen gefährlich?

Sie schwächen die Pflanze, sind aber gut zu bekämpfen. Gefährlicher sind Wollläuse und Spinnmilben. Siehe Wollläuse und Schmierläuse und Spinnmilben bekämpfen.

Warum kommen die Läuse jedes Jahr wieder?

Blattläuse überwintern als Eier an Gehölzen oder fliegen im Frühjahr zu. Ein jährlicher Befall ist normal, entscheidend ist, wie schnell die Nützlinge folgen.

Fazit

Blattläuse lassen sich gut natürlich bekämpfen: abstreifen, abspülen, mit Schmierseifenlösung behandeln und vor allem Nützlinge wie Marienkäfer, Florfliegen und Schwebfliegen fördern. Mäßiges Düngen, regelmäßige Kontrolle und eine vielfältige Bepflanzung verhindern, dass ein kleiner Befall zur Plage wird.

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