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Bienenfreundlicher Balkon: Pflanzen, Blühkalender und Nisthilfen

So wird dein Balkon zum Paradies für Wildbienen, Hummeln und Schmetterlinge: ungefüllte Blüten, ein Blühkalender von März bis Oktober, Kräuter, Wasserstellen, Nisthilfen und Verzicht auf Gift.

Wildbienen, Hummeln, Schwebfliegen und Schmetterlinge finden in Städten immer weniger Nahrung. Gepflasterte Flächen, kurz gemähter Rasen und gefüllte Zierblumen bieten ihnen kaum Pollen und Nektar. Ein Balkon kann hier einen echten Unterschied machen: Schon wenige Kästen und Töpfe mit den richtigen Pflanzen werden zur Tankstelle für Insekten. Und für die Menschen auf dem Balkon ist das Summen und Flattern ein schönes Naturerlebnis mitten in der Stadt.

Dieser Ratgeber erklärt, worauf es bei bienenfreundlichen Pflanzen ankommt, welche Pflanzen sich für welchen Standort eignen, wie ein Blühkalender von Frühjahr bis Herbst aussieht und wie du mit Wasserstellen und Nisthilfen noch mehr tun kannst.

Warum Wildbienen?

In Deutschland leben über 550 Wildbienenarten, dazu die Hummeln, die ebenfalls zu den Bienen gehören. Viele Arten sind gefährdet. Anders als die Honigbiene, die von Imkern betreut wird, sind Wildbienen auf natürliche Nahrungsquellen und Nistplätze angewiesen. Manche Arten sind auf ganz bestimmte Pflanzenfamilien spezialisiert. Wildbienen stechen in der Regel nicht oder kaum, die meisten Arten sind sehr friedlich.

Worauf es bei Pflanzen ankommt

Ungefüllte Blüten

Gefüllte Blüten, wie sie bei vielen Zuchtformen von Rosen, Dahlien, Petunien oder Geranien vorkommen, haben statt Staubgefäßen zusätzliche Blütenblätter. Sie bieten kaum oder keinen Pollen und Nektar und sind für Insekten wertlos. Ungefüllte Blüten mit sichtbarer Blütenmitte sind dagegen gut zugänglich.

Vielfalt der Blütenformen

Unterschiedliche Insekten haben unterschiedlich lange Rüssel. Schalenblüten wie bei Kosmeen sind für viele Insekten zugänglich, Lippenblüten wie bei Salbei und Lavendel bevorzugen Hummeln und Bienen, Röhrenblüten wie bei Phlox eher Schmetterlinge.

Heimische Pflanzen

Viele spezialisierte Wildbienen sind auf heimische Wildpflanzen angewiesen. Heimische Arten wie Glockenblumen, Natternkopf, Wiesensalbei oder Wilde Malve sind besonders wertvoll. Aber auch viele mediterrane Kräuter und manche Zierpflanzen werden gern angeflogen.

Lange Blühzeit

Insekten brauchen von Frühjahr bis Herbst Nahrung. Ein gut geplanter Balkon bietet von März bis Oktober durchgehend Blüten.

Pflanzen nach Standort

StandortEmpfehlenswerte Pflanzen
SonnigLavendel, Thymian, Oregano, Salbei, Katzenminze, Fetthenne, Kornblume, Ringelblume, Kosmee, Zinnie, Sonnenhut, Natternkopf, Mauerpfeffer, Duftsteinrich
HalbschattigGlockenblumen, Vergissmeinnicht, Storchschnabel, Minze, Schnittlauch, Borretsch, Kapuzinerkresse, Akelei
SchattigLungenkraut, Elfenblume, Waldmeister, Günsel, Taubnessel, Fingerhut (giftig)

Ein Blühkalender für den Balkon

MonatBlühende Pflanzen
MärzKrokusse, Traubenhyazinthen, Schneeglöckchen, Winterlinge, Lungenkraut
AprilPrimeln (ungefüllt), Blaukissen, Gänsekresse, Kugelblume, Vergissmeinnicht
MaiAkelei, Schnittlauch, Storchschnabel, Salbei, Glockenblumen
JuniLavendel, Thymian, Borretsch, Kornblume, Katzenminze, Natternkopf
JuliOregano, Kosmeen, Ringelblumen, Zinnien, Sonnenhut, Fächerblume
AugustFetthenne beginnt, Bartblume, Löwenmäulchen, Dahlien (ungefüllt)
SeptemberFetthenne, Astern, Herbstanemonen, Bartblume
OktoberAstern, Efeu (wichtige späte Nahrung), Fetthenne

Zwiebeln für die Frühlingsblüher werden im Herbst in Kästen oder Töpfe gesetzt. Kombiniert man sie mit Stauden und Kräutern, bleibt der Balkon fast das ganze Jahr attraktiv.

Kräuter: lecker für Mensch und Insekt

Viele Küchenkräuter sind hervorragende Bienenpflanzen, wenn man sie blühen lässt.

KrautBlütezeitBesucher
ThymianMai bis JuliWildbienen, Honigbienen, Schmetterlinge
OreganoJuli bis SeptemberSehr viele Insekten
SalbeiMai bis JuliHummeln, Bienen
LavendelJuni bis AugustHummeln, Bienen, Schmetterlinge
SchnittlauchMai bis JuniWildbienen, Hummeln
BorretschJuni bis SeptemberHummeln, Bienen
YsopJuli bis SeptemberBienen, Schmetterlinge
MinzeJuli bis SeptemberSchwebfliegen, Bienen

Ein Tipp: Einen Teil der Kräuter für die Küche ernten und einen anderen Teil blühen lassen. Mehr zum Anbau in Kräutergarten auf der Fensterbank.

Wasserstelle

Insekten brauchen auch Wasser, besonders an heißen Tagen. Eine flache Schale mit Wasser, in die Steine, Murmeln oder Moos gelegt werden, bietet ihnen sichere Landeplätze. Das Wasser alle paar Tage wechseln, damit keine Mückenlarven entstehen. Die Schale an einem halbschattigen Platz aufstellen.

Nisthilfen

Insektenhotel

Viele Wildbienen nisten in Hohlräumen. Ein gutes Insektenhotel besteht aus:

  • Hartholzblöcken mit Bohrungen von 3 bis 9 mm Durchmesser, sauber gebohrt ins Längsholz, nicht ins Stirnholz, damit keine Risse entstehen.
  • Hohlen Pflanzenstängeln wie Bambus oder Schilf, sauber geschnitten, hinten geschlossen.
  • Keine Tannenzapfen, Holzwolle oder Stroh, das wird von Wildbienen kaum genutzt.

Aufhängen an einem sonnigen, regengeschützten Platz, nach Süden oder Südosten ausgerichtet, fest montiert, sodass es nicht schwankt.

Sandkasten für Bodennister

Etwa drei Viertel aller Wildbienenarten nisten im Boden. Ein Kasten oder Topf mit ungewaschenem, lehmhaltigem Sand an einem sonnigen Platz kann für sie ein Nistplatz sein.

Markhaltige Stängel

Abgeblühte Stängel von Brombeeren, Königskerzen oder Disteln, senkrecht am Geländer befestigt, werden von einigen Arten zum Nisten genutzt.

Was du vermeiden solltest

  • Insektizide und chemische Pflanzenschutzmittel: Sie töten auch Nützlinge. Bei Schädlingen auf natürliche Methoden setzen. Siehe Blattläuse natürlich bekämpfen.
  • Gefüllte Blüten und reine Blattschmuckpflanzen als einzige Bepflanzung.
  • Zu ordentliches Aufräumen: Verblühte Stängel und Samenstände im Herbst teilweise stehen lassen. Sie dienen als Überwinterungsquartier und Nahrung für Vögel.
  • Torfhaltige Erde: Torffreie Erden schonen Moore. Siehe Blumenerde und Substrat.

Gestaltungsbeispiele

BalkonBepflanzung
Kleiner SüdbalkonEin Kasten mit Thymian, Oregano, Lavendel; ein Topf mit Fetthenne; ein Topf mit Kornblumen und Ringelblumen
OstbalkonKasten mit Glockenblumen, Storchschnabel und Schnittlauch; Topf mit Borretsch; Herbstastern
NordbalkonKasten mit Lungenkraut, Elfenblume und Taubnessel; Efeu am Geländer für späte Blüten

Praxisbeispiel: Vom Geranienbalkon zur Insektenoase

Ein Westbalkon war jahrelang mit gefüllten Geranien und Petunien bepflanzt. Insekten waren kaum zu sehen. Im Frühjahr wurden zwei der vier Kästen umgestaltet: einer mit Lavendel, Thymian und Katzenminze, einer mit Kosmeen, Zinnien und Fächerblumen. In einem großen Topf kam eine Fetthenne für den Herbst dazu, außerdem ein kleines Insektenhotel und eine Wasserschale. Bereits im Juni summten Hummeln am Lavendel, und im September besuchten Schmetterlinge die Fetthenne. Die beiden Geranienkästen blieben, bekamen im Folgejahr aber ungefüllte Sorten.

Saatgut und Pflanzen richtig einkaufen

Beim Kauf von Pflanzen und Saatgut lohnt sich ein genauer Blick:

  1. Ungefüllte Sorten wählen: In Sortenbeschreibungen auf Begriffe wie „ungefüllt“, „einfach blühend“ oder „insektenfreundlich“ achten.
  2. Regionale Wildpflanzen: Gärtnereien, die sich auf heimische Wildstauden spezialisiert haben, bieten Pflanzen an, die genau zu den hiesigen Insekten passen.
  3. Saatgutmischungen prüfen: Mischungen mit der Bezeichnung „Bienenweide“ enthalten manchmal vor allem nicht heimische Arten. Mischungen mit regionalem Wildpflanzensaatgut sind ökologisch wertvoller.
  4. Pestizidfreie Herkunft: Manche Jungpflanzen aus dem Massenhandel wurden mit Insektiziden behandelt, die noch Wochen im Pollen nachweisbar sind. Bio-Gärtnereien oder eigene Aussaat sind die sichere Wahl.
  5. Torffreie Erde gleich mitkaufen.

Viele einjährige Bienenpflanzen wie Kornblume, Ringelblume, Borretsch und Kapuzinerkresse lassen sich ab April direkt in den Kasten säen. Das ist günstig und macht Spaß. Wer im Herbst die Samenstände stehen lässt, kann eigenes Saatgut ernten und im nächsten Jahr wieder aussäen.

Häufige Fragen

Locke ich damit Wespen an?

Wespen interessieren sich weniger für Blüten als für süße Speisen und Getränke. Ein bienenfreundlicher Balkon lockt vor allem Bienen, Hummeln, Schwebfliegen und Schmetterlinge an.

Sind Geranien schlecht für Bienen?

Viele gefüllte Zuchtformen bieten kaum Nahrung. Ungefüllte Geranien und Wildformen sind etwas besser, aber Kräuter und heimische Pflanzen sind deutlich wertvoller.

Wie viele Pflanzen brauche ich?

Schon ein einziger Kasten mit gut gewählten Pflanzen hilft. Je mehr Vielfalt und je länger die Blühzeit, desto besser.

Fazit

Ein bienenfreundlicher Balkon braucht keine große Fläche. Wähle ungefüllte Blüten, heimische Pflanzen und blühende Kräuter, plane einen Blühkalender von März bis Oktober, biete Wasser und Nistmöglichkeiten an und verzichte auf Gift. So wird dein Balkon zu einem wertvollen Lebensraum für Wildbienen und andere Insekten. Weitere Ideen in Balkonkasten bepflanzen.

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