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Orchideen (Phalaenopsis) pflegen: Gießen, Tauchen und neue Blüten

So pflegst du Schmetterlingsorchideen richtig: heller Standort, Tauchen statt Gießen, das passende Substrat, Umtopfen, Rückschnitt der Rispe und wie du eine neue Blüte auslöst.

Die Schmetterlingsorchidee, botanisch Phalaenopsis, ist die mit Abstand häufigste Orchidee auf deutschen Fensterbänken. Sie blüht monatelang, ist in vielen Farben erhältlich und gilt dennoch bei vielen als schwierig. Der Grund liegt meist darin, dass sie wie eine normale Topfpflanze behandelt wird. Phalaenopsis wachsen in der Natur aber nicht in Erde, sondern sitzen auf Baumrinde. Wer das versteht, versteht fast alle ihre Bedürfnisse.

Dieser Ratgeber erklärt, wie Phalaenopsis leben, wie du sie richtig wässerst, welcher Standort und welches Substrat passen, wie du umtopfst und wie du nach der Blüte eine neue Rispe auslöst.

Steckbrief

MerkmalPhalaenopsis
HerkunftTropische Wälder Südostasiens bis Nordaustralien
WuchsEpiphytisch (auf Bäumen), wenige breite Blätter, dicke Luftwurzeln
LichtHell, ohne direkte Mittagssonne
Temperatur18 bis 26 °C, nachts gern einige Grad kühler
WässernWenn die Wurzeln silbrig-grau sind, meist alle 7 bis 14 Tage
SchwierigkeitLeicht bis mittel
GiftigkeitGilt als ungiftig für Menschen und Haustiere

So leben Phalaenopsis in der Natur

In ihrer Heimat klammern sich Phalaenopsis mit ihren dicken Wurzeln an Baumstämme und Äste. Regen läuft über die Wurzeln, die sich voll Wasser saugen, und trocknet danach schnell wieder ab. Die Wurzeln sind mit einer schwammartigen Hülle (Velamen) überzogen, die Wasser aufnimmt und an der Luft wieder abgibt. Sie brauchen also Wasser und Luft im Wechsel. In dichter, nasser Erde ersticken sie und faulen.

Daraus ergeben sich drei Grundregeln: ein grobes, luftiges Substrat, ein Topf, durch den Wasser schnell abläuft, und niemals stehendes Wasser an den Wurzeln.

Standort

  • Ideal: ein Ost- oder Westfenster, oder ein Südfenster mit Gardine oder in etwas Abstand.
  • Nordfenster: möglich, die Pflanze blüht dort aber oft seltener.
  • Zu viel Sonne: Direkte Mittagssonne hinter Glas verursacht gelbe oder weiße, später braune Flecken auf den Blättern.
  • Zu dunkel: Die Blätter werden dunkelgrün, weich und lang, neue Blütenrispen bleiben aus.

Ein guter Hinweis: Gesunde Phalaenopsis-Blätter sind fest, mittelgrün und glänzend. Sehr dunkle Blätter deuten auf zu wenig Licht hin, gelblich-blasse auf zu viel.

Tauchen statt Gießen

Die bewährteste Methode für Phalaenopsis im Rindensubstrat ist das Tauchen:

  1. Den Zeitpunkt erkennen: Die Wurzeln im durchsichtigen Topf sind silbrig-grau statt grün, das Substrat fühlt sich trocken an und der Topf ist leicht.
  2. Tauchen: Den Kulturtopf für 10 bis 15 Minuten in ein Gefäß mit zimmerwarmem Wasser stellen. Das Wasser sollte bis knapp unter den Topfrand reichen, nicht bis in die Blattachseln.
  3. Abtropfen lassen: Den Topf herausnehmen und gründlich abtropfen lassen, bevor er zurück in den Übertopf kommt.
  4. Übertopf kontrollieren: Nach einer halben Stunde nachsehen, ob sich Wasser gesammelt hat, und es ausgießen.
SituationGrobe Orientierung
Sommer, helles FensterEtwa alle 7 Tage
Winter, HeizungsluftAlle 7 bis 10 Tage
Winter, kühler RaumAlle 10 bis 14 Tage

Wichtig: Kein Wasser in die Blattachseln und ins Herz der Pflanze. Bleibt dort Wasser stehen, kann der Vegetationspunkt faulen. Passiert es doch, das Wasser mit einem Papiertuch aufsaugen. Mehr allgemeine Hinweise in Zimmerpflanzen richtig gießen.

Wasserqualität

Phalaenopsis sind empfindlich gegenüber hartem, kalkreichem Wasser. Kalk lagert sich auf Wurzeln und Substrat ab. Ideal ist Regenwasser oder abgekochtes, abgekühltes Leitungswasser. In Regionen mit sehr hartem Wasser kann man Leitungswasser mit destilliertem Wasser mischen.

Luftfeuchtigkeit

Phalaenopsis kommen mit normaler Zimmerluft erstaunlich gut zurecht. In beheizten Wohnungen im Winter hilft es dennoch, die Luftfeuchtigkeit etwas zu erhöhen: etwa mit einer Schale mit Wasser und Blähton, auf die der Topf gestellt wird, ohne im Wasser zu stehen. Direktes Besprühen der Blüten führt zu Flecken und sollte unterbleiben. Mehr Möglichkeiten in Luftfeuchtigkeit für Zimmerpflanzen.

Substrat und Topf

  • Substrat: Spezielle Orchideenerde aus grober Pinienrinde, eventuell mit etwas Kokoschips oder Sphagnum. Normale Blumenerde ist für Phalaenopsis ungeeignet.
  • Kulturtopf: Durchsichtige Kunststofftöpfe mit vielen Löchern sind ideal. Sie lassen Licht an die Wurzeln, die selbst etwas Photosynthese betreiben, und du siehst sofort, ob sie trocken oder feucht sind.
  • Übertopf: Ein Glas- oder Keramikübertopf ist in Ordnung, wenn der Kulturtopf darin nicht im Wasser steht.

Düngen

Während des Wachstums neuer Blätter und Wurzeln alle zwei bis vier Wochen spezieller Orchideendünger ins Tauchwasser, in der auf der Packung angegebenen Konzentration oder etwas schwächer. Einmal im Monat sollte ohne Dünger getaucht werden, um Salzreste auszuspülen. In der Ruhezeit ohne neue Blätter wird seltener oder gar nicht gedüngt.

Umtopfen

Phalaenopsis werden etwa alle zwei Jahre umgetopft, am besten nach der Blüte. Rindensubstrat zersetzt sich mit der Zeit, wird dicht und hält zu viel Wasser.

  1. Pflanze vorsichtig aus dem Topf lösen; festgewachsene Wurzeln vorher durch Tauchen geschmeidig machen.
  2. Altes Substrat vollständig entfernen.
  3. Tote Wurzeln abschneiden: Sie sind hohl, braun und matschig oder papierartig trocken. Gesunde Wurzeln sind fest, grün oder silbrig.
  4. In einen nur wenig größeren Kulturtopf setzen und frisches Orchideensubstrat locker zwischen die Wurzeln rieseln lassen. Leicht klopfen statt drücken.
  5. Die ersten Tage nicht tauchen, damit Schnittstellen abheilen.

Luftwurzeln, die aus dem Topf herauswachsen, sind normal und gesund. Sie werden nicht abgeschnitten und nicht mit Gewalt in den Topf gezwängt. Allgemeine Hinweise in Umtopfen Schritt für Schritt.

Nach der Blüte: Rispe schneiden oder stehen lassen?

Wenn die letzte Blüte abgefallen ist, gibt es zwei Möglichkeiten:

  • Rispe ist noch grün: Über dem zweiten oder dritten Knoten (den kleinen Verdickungen am Stiel) von unten abschneiden. Aus einem Knoten darunter kann eine Seitenrispe mit neuen Blüten wachsen.
  • Rispe wird gelb oder braun: Sie stirbt ab und wird an der Basis abgeschnitten. Die Pflanze steckt ihre Kraft dann in neue Blätter und Wurzeln und blüht später mit einer neuen Rispe.

Eine neue Blüte auslösen

Phalaenopsis bilden neue Blütenrispen oft nach einer kühleren Phase. Steht die Pflanze im Herbst vier bis sechs Wochen an einem hellen Platz, an dem die Nachttemperatur auf etwa 16 °C sinkt, setzt sie häufig eine neue Rispe an. Ein kühles Schlafzimmerfenster oder ein Platz nahe an der Fensterscheibe genügt oft. Wichtig bleibt dabei ausreichend Licht.

Typische Probleme

SymptomMögliche UrsacheLösung
Blätter schlaff und runzeligWurzeln faul (zu nass) oder vertrocknetWurzeln prüfen, faule entfernen, neu topfen
Unterstes Blatt wird gelbNatürliche Alterung, wenn nur eines betroffen istAbfallen lassen
Mehrere Blätter gelb, Wurzeln braunStaunässe, zersetztes SubstratUmtopfen in frische Rinde
Knospen fallen vor dem Öffnen abZugluft, Standortwechsel, TemperaturschwankungenRuhig und gleichmäßig warm stellen
Keine neue BlüteZu dunkel oder zu warm im HerbstHeller stellen, kühle Phase anbieten
Weiße Watte in BlattachselnWollläuseSiehe Wollläuse und Schmierläuse
Klebrige Tropfen an der RispeMeist harmloser Nektar, selten SchädlingeAuf Schild- und Wollläuse kontrollieren

Kindel: Babys an der Rispe

Manchmal wächst an einem Knoten der Rispe statt einer Blüte eine kleine Pflanze, ein sogenanntes Kindel. Lass es an der Mutterpflanze, bis es drei bis vier Blätter und einige drei bis fünf Zentimeter lange Wurzeln gebildet hat. Dann kann es mit einem Stück Rispe abgeschnitten und in einen kleinen Topf mit feinem Orchideensubstrat gesetzt werden. Mehr dazu in Ableger und Kindel.

Praxisbeispiel: Die Geschenk-Orchidee

Eine weiße Phalaenopsis kam als Geschenk in einem dekorativen Keramiktopf ins Haus. Nach der Blüte wurde sie wöchentlich mit einem Schnapsglas Wasser gegossen. Nach einigen Monaten waren die Blätter weich und runzelig. Beim Austopfen zeigte sich: Unter einer Moosschicht stand Wasser im Topf, der Großteil der Wurzeln war faul. Nach dem Entfernen der toten Wurzeln, dem Umsetzen in frische Rinde in einem durchsichtigen Topf und dem Wechsel zum Tauchen bildete die Pflanze im Sommer neue Wurzeln und zwei neue Blätter. Im Winter darauf erschien nach einer kühlen Phase am Schlafzimmerfenster wieder eine Rispe.

Häufige Fragen

Sind Orchideen giftig für Katzen?

Phalaenopsis gelten als ungiftig. Trotzdem können Dünger- oder Pflanzenschutzreste schaden, und Katzen sollten nicht an den Blättern knabbern. Mehr in Pflanzensicherheit.

Soll ich Orchideen mit Eiswürfeln gießen?

Davon ist abzuraten. Die tropischen Wurzeln mögen keine Kälte, und das Substrat wird nur ungleichmäßig befeuchtet. Tauchen ist zuverlässiger.

Wie lange blüht eine Phalaenopsis?

Eine Rispe blüht oft zwei bis vier Monate. Viele Pflanzen blühen ein- bis zweimal im Jahr.

Fazit

Phalaenopsis sind keine schwierigen Pflanzen, sondern Baumbewohnerinnen mit besonderen Wurzeln. Gib ihnen ein grobes Rindensubstrat in einem durchsichtigen Topf, tauche sie, wenn die Wurzeln silbrig sind, halte die Blattachseln trocken, stelle sie hell ohne Mittagssonne und gönne ihnen im Herbst ein paar kühlere Nächte. Dann blühen sie zuverlässig Jahr für Jahr.

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