Kakteen und Sukkulenten pflegen: Sonne, Trockenheit und die richtige Winterruhe
So pflegst du Kakteen, Echeverien, Aloe und andere Sukkulenten: sonniger Standort, durchlässige Erde, Gießen nach der Durchtränken-und-Trocknen-Methode, Winterruhe und Blüte.
Kakteen und Sukkulenten gelten als die Pflanzen für Menschen, die keinen grünen Daumen haben. Tatsächlich verzeihen sie vergessene Gießtermine wie kaum eine andere Pflanzengruppe. Trotzdem gehen viele von ihnen in Wohnungen ein, meist aus zwei Gründen: zu wenig Licht und zu viel Wasser zur falschen Zeit. Wer die natürlichen Lebensbedingungen dieser Pflanzen versteht, kann sie jahrzehntelang halten und sogar regelmäßig zur Blüte bringen.
Dieser Ratgeber erklärt, was Kakteen und andere Sukkulenten gemeinsam haben, wie du sie richtig stellst, gießt und düngst, warum die Winterruhe so wichtig ist und welche Probleme häufig auftreten.
Was sind Sukkulenten?
Sukkulenten sind Pflanzen, die Wasser in verdickten Blättern, Stämmen oder Wurzeln speichern. Kakteen sind eine Familie innerhalb der Sukkulenten, erkennbar an den sogenannten Areolen, kleinen Polstern, aus denen Dornen, Haare, Triebe und Blüten wachsen. Zu den beliebtesten Nicht-Kakteen-Sukkulenten gehören Echeverien, Aloe, Haworthien, Crassula (Geldbaum), Sedum, Kalanchoe und Lebende Steine (Lithops).
| Gruppe | Beispiele | Besonderheit |
|---|---|---|
| Wüstenkakteen | Mammillaria, Echinocactus, Opuntia | Sehr viel Sonne, strenge Winterruhe |
| Blattkakteen | Weihnachtskaktus (Schlumbergera), Osterkaktus | Halbschatten, mehr Wasser, aus Wäldern |
| Rosetten-Sukkulenten | Echeveria, Sempervivum, Aeonium | Viel Licht, sonst vergeilen sie |
| Schattenverträgliche Sukkulenten | Haworthia, Gasteria | Hell, aber ohne pralle Sonne |
| Stamm-Sukkulenten | Geldbaum, Elefantenfuß | Robust, mögen Sommerfrische |
Dieser Ratgeber konzentriert sich auf Wüstenkakteen und klassische Sukkulenten. Blattkakteen wie der Weihnachtskaktus stammen aus feuchten Wäldern und brauchen deutlich mehr Wasser und weniger Sonne.
Standort: so hell wie möglich
- Ideal: ein Süd- oder Westfenster mit mehreren Stunden direkter Sonne.
- Ostfenster: für viele Arten ausreichend, für sonnenhungrige Kakteen knapp.
- Nordfenster: nur für Haworthien und Gasterien geeignet.
- Sommer im Freien: Viele Kakteen und Sukkulenten genießen einen sonnigen, regengeschützten Platz auf Balkon oder Terrasse. Langsam an die Sonne gewöhnen, sonst drohen Verbrennungen.
Zu wenig Licht zeigt sich bei Sukkulenten deutlich: Rosetten strecken sich, die Blätter stehen weit auseinander, Kakteen wachsen dünn und spitz zum Fenster. Dieses „Vergeilen“ lässt sich nicht rückgängig machen, nur durch neues, kompaktes Wachstum an einem helleren Platz überwachsen. Mehr in Licht für Zimmerpflanzen.
Gießen: durchtränken und trocknen lassen
Die bewährte Methode heißt „soak and dry“, also durchtränken und vollständig austrocknen lassen:
- Prüfen: Die Erde muss vollständig trocken sein, auch in der Tiefe. Ein Holzstäbchen oder das Gewicht des Topfes helfen.
- Durchtränken: Gründlich gießen, bis Wasser unten herausläuft, oder den Topf kurz in Wasser stellen.
- Abtropfen: Überschüssiges Wasser vollständig entfernen.
- Warten: Erst wieder gießen, wenn die Erde erneut ganz trocken ist.
Kleine Schlucke alle paar Tage sind schlechter als seltenes, gründliches Gießen. Sie halten die Oberfläche feucht, während die Wurzeln unten trocken bleiben, und fördern Fäulnis am Wurzelhals.
| Jahreszeit | Grobe Orientierung |
|---|---|
| Frühling und Sommer | Alle 1 bis 3 Wochen, je nach Topfgröße und Sonne |
| Herbst | Gießabstände schrittweise verlängern |
| Winter (Ruhezeit) | Wüstenkakteen kaum bis gar nicht; Sukkulenten alle 4 bis 6 Wochen sparsam |
Mehr zur allgemeinen Gießtechnik in Zimmerpflanzen richtig gießen.
Erde und Topf
- Erde: Kakteen- und Sukkulentenerde, verbessert mit 30 bis 50 Prozent mineralischen Anteilen wie Bims, Lavagranulat oder Quarzsand. Reine Blumenerde hält zu viel Wasser.
- Topf: Immer mit Abzugsloch. Ton- und Terrakottatöpfe sind ideal, weil sie Feuchtigkeit nach außen abgeben.
- Größe: Eher knapp. Der Topf sollte nur wenig größer sein als die Pflanze bzw. der Wurzelballen.
- Deko-Gläser ohne Abfluss sind für Sukkulenten auf Dauer ungeeignet, auch wenn sie im Handel häufig so angeboten werden.
Weitere Hinweise in Blumenerde und Substrat.
Düngen
Von April bis August alle vier Wochen mit einem speziellen Kakteendünger, der wenig Stickstoff enthält, in der angegebenen Dosierung. Ab September wird nicht mehr gedüngt, damit die Pflanzen ausreifen und in die Ruhezeit gehen können. Zu viel Stickstoff macht Kakteen weich, anfällig und blühfaul.
Die Winterruhe: Geheimnis der Blüte
Viele Wüstenkakteen blühen nur, wenn sie im Winter eine echte Ruhezeit hatten. In ihrer Heimat sind die Winter trocken und nachts kühl.
- Zeitraum: etwa November bis Februar.
- Temperatur: ideal 5 bis 12 °C, je nach Art. Ein kühles, helles Treppenhaus, ein ungeheiztes Gästezimmer oder ein frostfreier Wintergarten eignen sich.
- Wasser: Wüstenkakteen werden in dieser Zeit fast gar nicht gegossen. Sie schrumpfen leicht, was normal ist.
- Licht: Auch kühl müssen sie hell stehen.
Im warmen Wohnzimmer ist eine echte Winterruhe schwierig. Dort gilt: so hell wie möglich, sparsam gießen und keinen Dünger geben. Viele Sukkulenten wie Echeverien und Geldbaum kommen mit warmer Überwinterung besser zurecht als blühfreudige Wüstenkakteen.
Im Frühjahr wird die Wassergabe langsam wieder gesteigert, sobald neue Dornen oder Triebe sichtbar werden.
Umtopfen
Kakteen und Sukkulenten werden alle zwei bis vier Jahre im Frühjahr umgetopft, wenn der Topf durchwurzelt ist.
- Erde vorher trocken werden lassen.
- Kakteen mit Grillzange, Küchenhandschuhen, Zeitungspapier oder einem gefalteten Tuch greifen.
- Alte Erde vorsichtig entfernen, abgestorbene Wurzeln abschneiden.
- In trockene, frische Erde setzen und eine Woche nicht gießen, damit verletzte Wurzeln abheilen.
Eine allgemeine Anleitung bietet Umtopfen Schritt für Schritt.
Typische Probleme
| Symptom | Mögliche Ursache | Lösung |
|---|---|---|
| Weiche, glasige, dunkle Stellen an der Basis | Fäulnis durch Nässe | Gesunden Teil abschneiden, antrocknen lassen, neu bewurzeln |
| Lange, dünne, blasse Triebe | Zu wenig Licht | Heller stellen |
| Braune oder weiße, trockene Flecken auf der Sonnenseite | Sonnenbrand | Langsam an Sonne gewöhnen |
| Schrumpelige Blätter, Erde trocken | Wassermangel | Gründlich gießen |
| Schrumpelige Blätter, Erde nass | Wurzeln faul, nehmen kein Wasser mehr auf | Austopfen, faule Wurzeln entfernen |
| Weiße, wollige Flecken | Wollläuse oder Wurzelläuse | Siehe Wollläuse und Schmierläuse |
| Untere Blätter einer Echeverie vertrocknen | Natürlicher Blattwechsel | Abzupfen, kein Problem |
Fäulnis ist bei Sukkulenten das häufigste Todesurteil, aber oft lässt sich der gesunde obere Teil retten. Mehr in Wurzelfäule erkennen und retten.
Vermehrung
Viele Sukkulenten lassen sich sehr leicht vermehren, etwa über Blattstecklinge, Kindel oder Kopfstecklinge. Ausführliche Anleitungen findest du in Sukkulenten vermehren über Blattstecklinge und Ableger und Kindel.
Praxisbeispiel: Die Fensterbank-Sammlung
Auf einem Nordfenster im Büro standen ein Dutzend kleine Sukkulenten in Deko-Gläsern mit Kies. Nach einem halben Jahr waren die Echeverien lang und blass, mehrere Kakteen an der Basis braun und weich. Die überlebenden Pflanzen wurden in Tontöpfe mit mineralischer Kakteenerde umgesetzt und an ein Südwestfenster im Treppenhaus gestellt. Gegossen wurde nur noch, wenn die Töpfe leicht waren. Die vergeilten Echeverien wurden geköpft und neu bewurzelt. Nach einem Sommer waren die Pflanzen kompakt, farbig und gesund, und im folgenden Frühjahr blühten zwei Mammillarien nach einer kühlen Überwinterung im Treppenhaus.
Häufige Fragen
Sind Kakteen giftig?
Die meisten Kakteen sind nicht giftig, ihre Dornen können aber verletzen. Einige Sukkulenten wie bestimmte Euphorbien, Kalanchoe und Aloe-Arten können für Haustiere giftig sein. Mehr in Pflanzensicherheit.
Brauchen Kakteen Sprühwasser?
Nein. Wüstenkakteen und die meisten Sukkulenten brauchen keine erhöhte Luftfeuchtigkeit. Besprühen kann eher Fäulnis und Pilzflecken fördern.
Was ist mit bunten oder aufgeklebten Kakteen?
Gefärbte Kakteen und Kakteen mit aufgeklebten Strohblumen sollten nach dem Kauf befreit werden, sofern möglich. Die Farbe wächst nicht nach, und Kleber schadet dem Gewebe.
Fazit
Kakteen und Sukkulenten brauchen viel Licht, eine sehr durchlässige Erde in einem Topf mit Abzugsloch und Wasser nach der Durchtränken-und-Trocknen-Methode. Im Winter gilt: kühl, hell und trocken. Wer diese Regeln beachtet, wird mit kompakten, farbigen Pflanzen und bei vielen Kakteen mit spektakulären Blüten belohnt.